Rohingya-Flüchtlinge in
Bangladesch sehen sich einer neuen unfreiwilligen Wiedereingliederung gegenüber
Übersetzung der Zusammenfassung des Berichts "We are like a socker
ball, kicked by
Ungefähr 21500 Rohingya Flüchtlinge haben Schutz in den beiden
Flüchtlingslagern, Kutupalong und Nayapara, im Süden Bangladeschs gefunden.
Diese Flüchtlinge sind das Überbleibsel der Massenflucht der Jahre 1991/92, als
250000 Rohingyas der brutalen Repression gegen Muslime im Norden des
Arakan-Staates in Burma entflohen. Ein Repatriierungsprogramm unter der
Aufsicht des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen UNHCR, fand in den
Jahren 1994/95 statt. Die Rohingyas verließen Bangladesch jedoch alles andere
als freiwillig. Seitdem wurden die Rückführungsprogramme bis zum September 2002
eingestellt.
Diese 21500 Flüchtlinge unter dem Schutz des UNHCR sind jedoch nur die
Spitze des Eisbergs. Seit 1996 flohen weiterhin Tausende Rohingyas nach
Bangladesch, unter ihnen sowohl Neuankömmlinge als auch ehemals Repatriierte.
Da ihnen jedoch der Zugang zu den beiden Flüchtlingscamps verwehrt wurde,
wurden sie nicht als politische, sondern wirtschaftliche Migranten eingestuft.
Die Gründe der kontinuierlichen Flucht von Rohingyas nach Bangladesch
sind in der burmesischen Politik verankert. Diskriminierung und Ausschluss aus
der öffentlichen Gemeinschaft richtet die burmesische Militärregierung gegen
eine Vielzahl ethnischer Minderheiten des Landes, besonders aber gegen die
muslimische Bevölkerung. Die Lebensbedingungen im nördlichen Arakan-Staat haben
sich über die letzten Jahrzehnte kaum verändert. Die Rohingyas bleiben
weiterhin staatenlos, wie es das 1982 erlassene Einwohnergesetz vorsieht. Des
weiteren müssen die Rohingyas mit extremer Einschränkung ihrer
Bewegungsfreiheit rechnen, mit Zwangsarbeit, Konfiszierung von Land,
willkürlicher Steuererhebung, unangemessen hohen Gebühren für besondere
Ereignisse wie Hochzeiten, sowie Lizenzierungseinschränkungen für
Geschäftsgründungen.
Im Mai 2003 stieg die Anzahl der nach Burma Repatriierten auf 704
Menschen im Vergleich zu 93 im April an. Zur selben Zeit häuften sich die
Meldungen über zwangsweise Rückführungen und Einschüchterungen aus den zwei
Flüchtlingscamps in Bangladesch. Die Beschwerden drangen erstmals im Oktober
2002 an die Öffentlichkeit, verstummten kurzzeitig und flammten im Mai 2003
wieder auf. Diese starke Zunahme der Vorfälle nimmt Bezug auf eine
Bekanntmachung des UNHCR, wonach die Organisation nach dem 30. Juni 2003 die
Verantwortung für das Camp sowie den Rückführungsprozess ablegen werde.
Rückführungen nach diesem Stichdatum würden dann ausschließlich von dem
bilateralen Verhältnis zwischen Burma und Bangladesch abhängen. Die Behörden
von Bangladesch reagierten hierauf mit einer Beschleunigung der Rückführungen
der Flüchtlinge nach Burma, ob diese nun wollten oder nicht.
Der Bericht "We are like a soccer ball,
kicked by
Flüchtlinge, welche nicht repatriiert werden
wollten, wurden unter Arrest gestellt. Sie wurden vor die Wahl gestellt,
die Repatriierung zu unterschreiben oder ins Gefängnis zu gehen (7 Fälle der
Androhung und 5 tatsächliche Inhaftierungen). Verschiedenen Familien wurden die
Essensrationen gekürzt, bis sie ihrer Repatriierung zustimmten (6 Fälle von
Essensentziehung). Andere Vorfälle beinhalteten schlechte Behandlungen (in 17
Fällen Prügel), spontane Überführungen in andere Sektionen des Camps (6 Fälle),
sowie die Zerstörung von Behausungen (2 Fälle). Die Konsequenzen waren
besonders dann dramatisch, wenn Kinder von ihren Eltern getrennt, Familien
auseinander gerissen und Alte bzw. Kranke zurückgelassen wurden (19 Fälle von
Familientrennungen). In der Folge dieser Repressionen flüchteten viele
Flüchtlinge, um der Repatriierung zu entgehen. Oftmals flüchten die männlichen
Haushaltsoberhäupter und lassen die Frauen und Kinder verletzlich zurück (1
Fall von Vergewaltigung). Diese Vorfälle stellen den freiwilligen Character der
stattfindenden Repatriierungen erheblich infrage. Bisher verhält sich der UNHCR
ziemlich ruhig.
Der Vorschlag des UNHCR propagiert auch die Unabhängigkeit der lokalen
Gastgeber-Gesellschaft während der Rückkehr. Die Initiative des UNHCR, das die
„zeitweise lokale Integration“ vorantreibt, wirft viele Fragen in Bezug auf den
Schutz und die Durchführbarkeit des Projekts in dem bereits gespannten Umfeld
auf. Während die Regierung von Bangladesch den Vorschlag noch nicht einmal
verabschiedet hat, setzt das UNHCR alles daran, schon in die praktische Phase
überzugehen.
FORUM-ASIA ruft deshalb das UNHCR und die Regierung Bangladeschs auf, die zwangsweise herbeigeführten Repatriierungen unverzüglich zu stoppen und das Prinzip der Freiwilligkeit wiederherzustellen. Im Besonderen richtet sich der Appell an das UNHCR, welcher den geflüchteten Rohingyas effektiven Schutz und humanitäre Hilfe leisten sollte, bis sich eine dauerhafte Lösung anbietet.
Deutsch von Jan Zalewski, für Burma Initiative Asienhaus