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NATIONALVERSAMMLUNG
BEGINNT OHNE OPPOSITION
INTERNATIONALE
REAKTIONEN ZUM NATIONALKONVENT
TODESSTRAFEN
IN HAFTSTRAFEN UMGEWANDELT
VERÄNDERUNGEN
IN HANDELSBEZIEHUNGEN NACH REGIERUNGSWECHSEL IN INDIEN?
BURMA
WILL GESETZ ZUM SCHUTZ GEISTIGEN EIGENTUMS ERLASSEN
NEUE
FLUGVERBINDUNG ZWISCHEN BANGKOK UND RANGUN
WELTTREFFEN
DER BUDDHISTEN IN BURMA
Der von der burmesischen Militärregierung angekündigte
und organisierte Nationalkonvent zur Ausarbeitung einer Verfassung
ist am Montag eröffnet worden. Nach Angaben der Junta seien 1076
der 1088 (persönlich) Eingeladenen erschienen.
Dies
allerdings ohne Beteiligung der wichtigsten Oppositions- und
ethnischen Minderheitengruppen: Die Nationale Liga für
Demokratie (NLD) sprach sich am Freitag für eine Absage aus,
nachdem zentralen Forderungen - insbesondere die Freilassung Aung San
Suu Kyis und Tin Oos - nicht nachgekommen worden war. Auch die
Vorfestlegung des Ablaufs der Gespräche sowie von
Verfassungsinhalten erschienen der NLD nicht akzeptabel. Die Einwände
der NLD wiederum erklärte die Regierung als unannehmbar. Nur
wenig später vereinbarten acht Parteien ethnischer Minderheiten,
die bereits an den letzten freien Wahlen 1990 teilgenommen hatten und
in der United Nationalities Alliance (UNA) vereinigt sind, nach
mehrtägigen Gesprächen auf ihre Teilnahme zu verzichten.
Unter ihnen ist die Shan Nationalities League for Democracy (SNLD),
die 1990 die zweitmeisten Wählerstimmen erhielt. Der Vorsitzende
der SNLD begründete die Absage damit, man wisse, dass die
eigenen Forderungen nicht erfüllt würden und sah sich darin
Schulter an Schulter mit der NLD und den
Waffenstillstandgruppen.
Ministerpräsident Khin Nyunt traf
zuvor mit Vertretern von 15 Waffenstillstandgruppen zusammen. Sechs
von ihnen (die Kachin Independence Organization (KIO), die New Mon
State Party (NMSP), die Palaung State Liberation Army (PSLO), die
Shan State National Army (SSNA),die Shan State Army (SSA) und die
Kayah New Land Party (KNLP)) drängten in einer gemeinsamen
Stellungnahme auf Beratungen über die Nachbesserung oder
Rücknahme eines von der Militärregierung im
Verfassungsentwurf festgelegten Prinzips und einer Reihe von
Artikeln. Diese beziehen sich vor allem auf den zukünftigen
Verfassungsstatus des Militärs und seine
Entscheidungsbefugnisse. Die vorliegende Form wäre nicht in
Übereinstimmung mit einem demokratischen System. Premierminister
Khin Nyunt äußerte, er sei empört, dass dem Militär
somit nahezu keine politische Rolle zugebilligt werden
solle.
Ausländischen Journalisten wurde unterdessen nicht
erlaubt, dem Konvent beizuwohnen. Einheimischen Reportern wurde das
Mitbringen von Computern, Mobiltelefonen oder anderen
Aufzeichnungstechniken untersagt.
The Scotsman, 17. 5. 2004,
Irrawaddy, 14. 5. 2004, New Light of Myanmar 18.5.04
Die internationale Gemeinschaft reagierte mehrheitlich mit Kritik
auf die ohne Beteiligung der wichtigsten Oppositionsgruppen
begonnenen Verfassungsgespräche. Viele Stimmen äußerten
ihren Unmut über den Mangel an gegenseitigem Entgegenkommen, der
zu der nun fragwürdigen Legitimation des Nationalkonvents
führte.
Nach UN-Generalsekretär Kofi Annan fehle dem
Konvent mit der Nicht-Beteiligung der NLD jede Glaubwürdigkeit.
Nur wenn alle Bevölkerungsgruppen und Parteien in freien
Verhandlungen repräsentiert seien, könne er erfolgreich
sein. Erneut forderte er die Militärregierung auf, Aung San Suu
Kyi freizulassen und sie an den Gesprächen zu beteiligen. Annan
drängte zugleich auf eine stärkere Einflussnahme in diese
Richtung durch die südostasiatischen Staaten. Der
UN-Sondergesandte Razali Ismail kündigte an, diesbezüglich
in Gespräche mit den ASEAN-Mitgliedern sowie China und Indien
einzutreten. Die UN seien weiterhin bereit, eine führende Rolle
im Versöhnungsprozess zu übernehmen.
US-Präsident
Bush nannte Burma eine außerordentliche Bedrohung für die
nationale Sicherheit. Es stehe den US-Interessen entgegen. Dabei
verwies er auf die umfassenden Repressionen gegenüber der
demokratischen Opposition und erklärte, die bestehenden
Sanktionen würden weiter aufrechterhalten.
Die Eu reagierte
mit einer gemeinsamen Erklärung des Europäischen Rates auf
die Eröffnung des Nationalkonvents. Darin wird die Besorgnis und
tiefe Enttäuschung über die anhaltende Inhaftierung Aung
San Suu Kyis trotz gegenteiliger Versicherungen festgestellt. Ebenso
wird dem Bedauern Ausdruck verliehen, dass die burmesische Regierung
nicht für Bedingungen gesorgt hätte, die der NLD eine
Teilnahme erlaubt hätten. Damit sei die Gelegenheit zur
Aussöhnung und zur friedlichen Einleitung eines
Demokratisierungsprozesses vertan worden. Die EU sehe sich weiterhin
verpflichtet - auch in Zusammenarbeit mit anderen asiatischen Ländern
- zu einem demokratischen Wandel beizutragen und die burmesische
Bevölkerung humanitär zu unterstützen.
Der
thailändische Ministerpräsident Thaksin Shinawatra warnte
am Montag in ungewöhnlich scharfen Worten die burmesische
Regierung, ihr Ruf könne leiden, würden die Gespräche
des Nationalkonvents ohne Beteiligung der NLD fortgesetzt. Zudem
zeigte er sich unzufrieden über die mangelnden Fortschritte hin
zu mehr Demokratie. Seine Erwartungen hinsichtlich der Beteiligung
aller bedeutenden Parteien sowie Aung San Suu Kyis seien enttäuscht
worden. Er beauftragte seinen Außenminister, in Erfahrung zu
bringen, welche Absichten hinter der Vorgehensweise der SPDC stecken.
Damit war Thaksin Shinawatra der erste südostasiatische
Staatsführer, der sich öffentlich zum Stand des
Nationalkonvents äußerte.
Das russische
Außenministerium ließ dagegen über sein Presseamt
vermelden, dass die Eröffnung des Nationalkonvents unter
Beteiligung verschiedener politischer Kräfte und nationaler
Minderheiten einen wichtigen Schritt hin zur nationalen Aussöhnung
und zu demokratischen Reformen bedeuten würde. Es zeigte sich
überzeugt, die Gespräche würden erfolgreich zu einer
neuen Verfassung führen, in der sich alle Interessen vertreten
sähen. Bedauern über den Boykott der NLD wurde ebenfalls zu
Ausdruck gebracht.
Bloomberg 18.5.04; International Herald
Tribune 18.5.04; The Star 18.5.04; ABC Radio Australia News 18.5.04;
Reuters 18.5.04; BBC News 18.5.04; Novosti 17.5.04
Die wegen Hochverrats im November letzten Jahres verhängten
Todesstrafen gegen neun Burmesen wurden nach der Wiederaufnahme der
Verfahren fallengelassen und in mehrjährige Haftstrafen
umgewandelt. Ihnen war vorgeworfen worden, Pläne zum Umsturz der
Militärs vorbereitet zu haben. Drei von ihnen sollen
Informationen über Zwangsarbeit an die ILO weitergegeben, sie
erhielten dreijährige Haftstrafen. Die übrigen Todes-
wurden in lebenslange Haftstrafen umgewandelt. Der Journalist und
Herausgeber des Sportmagazins „First Eleven“, Zaw Thet
Htwe, muss nun ebenfalls für drei Jahre in Haft. Gegen ihn wurde
Anklage erhoben, nachdem er über die Veruntreuung von
internationalen Geldern berichtete, die zur Förderung des
Fußball in Burma zur Verfügung gestellt worden waren.
AFP
15.4.04
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VERÄNDERUNGEN IN HANDELSBEZIEHUNGEN NACH REGIERUNGSWECHSEL IN INDIEN? |
Der Regierungswechsel in Indien weckt bei indischen
Wirtschaftsvertretern Unsicherheit über die künftigen
Wirtschaftsbeziehungen zu Burma. Das vorangegangene Regierungsbündnis
National Democratic Alliance (NDA) unternahm erhebliche
Anstrengungen, um den Wirtschaftsaustausch mit der gesamten
südostasiatischen Region zu intensivieren. Schon 1994
unterzeichneten Indien und Burma einen Handelspakt. Doch erst seit
1999 stieg das Handelsvolumen erheblich an. Das Engagement der NDA
drückte sich auch in neuerlichen Vereinbarungen zur
Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Informationstechnik sowie im Öl-
und Gassektor aus. Diese nutzten eine Reihe von indischen Firmen mit
Unterstützung der burmesischen Militärregierung. Auch
stimmte die NDA dem Verkauf von Kleinwaffen zu. Insbesondere die
Regionen im Nordosten Indiens profitierten von den intensivierten
Beziehungen (der Handel stieg um das dreifache), mehrere
Handelsplätze in den Grenzregionen wurden eröffnet.
Vertreter zweifeln, ob mit der zukünftig regierenden
Kongresspartei die ausgebauten bilateralen Beziehungen -
Vorraussetzung für die Wirtschaftsbeziehungen - weiter
fortbestehen.
Mizzima News 16.5.04
Die burmesische Regierung arbeitet nach Angaben der chinesischen
Nachrichtenagentur Xinhua an einem Gesetzentwurf zum Schutz geistigen
Eigentums. Dies soll Auslandsinvestitionen und den
Technologie-Transfer fördern sowie einen
Industrialisierungsschub einleiten. Die Maßnahme gilt als Teil
der Umsetzung von Regeln der WTO und TRIPS-Vereinbarungen, die
im Januar 2000 erreicht wurden. Die langsame Entwicklung der
IT-Branche in Burma ließ Forderungen von örtlichen
Rechtsexperten nach dem Schutz dieser Bereiche laut werden.
Business
News India 17.5.04
Bangkok Airways hat eine regelmäßige Flugverbindung
zwischen Rangun und Bangkok eröffnet. Damit ist die größte
private Fluggesellschaft Thailands die dritte Linie, die planmäßig
zwischen Thailand und Burma verkehrt. Die Einführung kam
überraschend, da eine frühere Planung nicht bestand.
Ministerpräsident Khin Nyunt bewilligte die notwendigen
Überflugsrechte, nachdem der Gründer und Präsident von
Bangkok Airways, Prasert Prasarttong-Osoth, die Verhandlungen
persönlich geführt hatte. Quellen sprachen auch davon, dass
die Fluglinie darüber hinaus beabsichtigte, Flüge nach
Pagan und Mandalay ins Programm zu nehmen. Aufgrund erleichterter
Einreisebestimmungen setzt Bangkok Airlines auf ein erhöhtes
Tourismusaufkommen. Die Rangun-Verbindung soll daher als Sprungbrett
für eine Erweiterung der Verbindungen innerhalb Burmas
dienen.
Bangkok Post, 11.5.04
Burma steht in Vorbereitungen für das dieses Jahr
stattfindende 4. Welttreffen der Buddhisten, das am 4. Dezember
beginnen soll. Zu der dreitägigen Veranstaltung werden 150
Vertreter buddhistischer Organisationen aus 30 Ländern, 300
Mönche aus Burma und 2000 Beobachter erwartet. Es steht unter
der Schirmherrschaft des Ministeriums für religiöse
Angelegenheiten und der japanischen Nenbutsushu-Gemeinschaft. Das
Treffen zielt auf die Förderung der Beziehungen, des
gegenseitigen Verständnisses und der Kooperation zwischen den
buddhistischen Ländern, auf Verbesserungen in buddhistischer
Erziehung.
Xinhua News Agency 10.5.04
Bereits erschienene Burma-Nachrichten sind in der Burmalibrary Online unter http://www.burmalibrary.org/show.php?cat=1444&lo=d&sl=0 nachzulesen.
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